Gesamtrestaurierung des Stiftsbezirks

Ab 1970 wurden mit grossem Aufwand die Stiftskirche und ihre Anbauten restauriert. Heute ist man daran, ebenso sorgfältig die weiteren historischen Gebäude, also den gesamten Stiftsbezirk mit seinen über 30 Häusern, zu sanieren.
Die Planer der heutigen Restaurierung sehen sich aufgrund der historischen Bausubstanz vor ein grosses Problem gestellt. Einerseits ist es die Sorge und die Verpflichtung, den historischen Baubestand der Häuser als unschätzbares Kulturdenkmal aus einer wichtigen Zeit der Stiftsgeschichte zu erhalten; reiche Täferbemalungen oder Tapeten erfordern dabei oft zeitaufwendige und kostspieligen Restaurierungen. Andererseits müssen die Wohnungen auch einen zweckmässigen heutigen Komfort bieten. Aus verschiedenen Gründen kann daher der ursprüngliche Zustand der Räume nicht immer wiederhergestellt werden. Nur bruchstückhaft erhaltene Malereien können aber z.B. unter beweglichen Wandelementen sichtbar gemacht werden.

Archäologische Grabungen anlässlich der Restaurierungen

Archäologische Sondierungen im Zusammenhang mit den Restaurierungsarbeiten bieten die Möglichkeit, im geschichtsträchtigen Boden und im aufsteigenden Mauerwerk nach neuen Erkenntnissen zur Vergangenheit des mehr als tausendjährigen Stiftes zu suchen. So wurden etwa bei der westlich der Stiftskirche gelegenen Häuserzeile mit der Freilegung des Fundamentbereiches für die neue Sickerleitung sensationelle Entdeckungen gemacht, die ganz neue Erkenntnisse lieferten zur mittelalterlichen Stiftsgeschichte und zum Erscheinungsbild des Stiftes in dieser Zeit. Bei der Grabung kam nämlich eine bisher unbekannte Befestigungsanlage um den Stiftsbezirk zum Vorschein.

Eine mittelalterliche «Stiftsburg»?

Dass in der Westwand dieser Häuserzeile eine alte Umfassungsmauer erhalten ist, war schon früher festgestellt worden. Auf der Aussenseite dieser Mauer stiess man auf einen sehr breiten und tiefen Graben. Mit der Umfassungsmauer und dem vorgelagerten Graben konnte somit eine mittelalterliche Befestigungsanlage um den Stiftsbezirk erfasst werden. Diese dürfte sich nach Süden hin im sogenannten Bärengraben fortgesetzt haben.
Mit dem Aushubmaterial des Grabens wurde ein älterer, parallel verlaufender und ca. fünf Meter breiter Graben innerhalb der Mauer aufgefüllt. Dieser wurde gegen die Stiftskirche hin mit einem mächtigen, mit Palisaden besetzten Wall ergänzt und war Teil einer früheren Befestigungsanlage, die einen relativ engen Bezirk um die Kirche einschloss.
Schon die Grabungen anlässlich der Restaurierung der Stiftskirche hatten ergeben, dass wohl bis ins 13. Jahrhundert eine Befestigungsanlage mit Mauern und Türmen bestand, die sich aber nur um den engen Kirchenbezirk schloss. Der bei den neueren Grabungen entdeckte erweiterte äussere Befestigungsring wurde wohl nach dem zerstörerischen Überfall der Grafen von Kyburg 1217 angelegt, als die Chorherren das Gemeinschaftsleben aufgaben und fortan in eigenen Häusern ausserhalb des bisherigen engen Stiftsbezirkes wohnten.
Dass diese Wehranlagen nicht überflüssig waren, zeigt der weitere Verlauf der Stiftsgeschichte im 14. Jahrhundert. 1352 und 1386 zogen die Eidgenossen plündernd und brandschatzend durch das damals noch habsburgische Michelsamt und fügten dabei auch dem Stift schweren Schaden zu.

Bereits abgeschlossene Restaurierungsprojekte im Stiftsbezirk
(in chronologischer Reihenfolge)

Hertensteinhof (Innenrenovation)1984 - 85
Ratberg1987 - 88
Lütishofer Chorhof1989
Magdalenenpfrund1991 - 92
Johannespfrund1991 - 92
Ursulapfrund1994 - 95
Michaelshof (sanfte Renovierung im Innern)2000
Rinacherhof1995 - 97
Thomaspfrund1995 - 97
Kustorei1997 - 99
Propstei2001 – 03
Hartmannhof2004 – 05
Fleckensteinhof2005 – 06
Niklauspfrund2007 – 08

Aktuelle Projekte

Schol / Stiftstheater
Augustinerhof

Letzte Änderung
13.10.2008