Geschichte der Orgeln in der Stiftskirche
1457Es werden zwei Orgelwerke genannt, ein kleines und ein grosses, die vermutlich im Chorraum in Altarnähe aufgestellt waren. Genaue Angaben über Aussehen und Grösse fehlen. Die kleine Orgel wurde nach Zofingen verschenkt.
1591wird eine Orgel auf der Westempore erbaut mit 13 Registern, verteilt auf Hauptwerk, Rückpositiv und (angehängtes) Pedal. Erbauer waren der Barfüsser-Frater Crispin Heisslin und Wilhelm Hüsser, Orgelmacher in Willisau.
Gleichzeitig entsteht eine neue Chororgel mit 5 Registern.
1600/01Anthony Nüwknecht baut die Grosse Orgel um und aus.
1606Vom Orgelbauer Thomas Schott aus Urach wird ein Positiv mit 4 Registern gekauft (ev. Prozessionsorgel, die sich heute im Schlossmuseum befindet).
1608Thomas Schott erbaut zwei «neue» Chororgeln, die auf den inzwischen erbauten Lettner (Chorabschluss nach hinten) zu stehen kommen. Die eine Chororgel war vermutlich die von 1591 und die zweite mit 8 Registern und Prospekt zum Chor und zum Volk neu. Die Grosse Orgel baut er um und passt sie den Chororgeln an (16 Register).
1638Orgelbauer Muderer aus Freiburg im Breisgau renoviert und erweitert die Grosse Orgel.
1691/93Bei der ersten Barockisierung der Stiftskirche verschwindet die kleinere Chororgel. Der Lettner wird abgerissen und dafür werden zwei Choremporen gebaut.
1692Johann Christoph Albrecht aus Waldshut ergänzt die Grosse Orgel mit der grösseren Chororgel.
1693Auf die neuen Choremporen baut er zwei neue Werke. Die Evangelienorgel ist heute noch erhalten.
1709Die Grosse Orgel wird von Christoph Lauer repariert.
1732Die Grosse Orgel wird von Joseph Anderhalden repariert.
1773Die Epistelorgel wird ersetzt durch ein neues Werk, von dem nur noch das Gehäuse erhalten ist.
1832Eine der Chororgeln (vermutlich die Epistelorgel) wird von Franz Anton Kiene aus Langenargen renoviert.
1841/42Franz Anton Kiene aus Langenargen erbaut auf der Westempore die (heutige) Grosse Orgel. Sie hat ein Hauptmanual mit 14 Registern, ein Nebenmanual mit 9 Registern (Oberwerk) und ein Pedal mit 6 Registern, dazu einen Tremulanten und Koppeln für HW-Positiv und HW-Pedal.
1872Die Firma Goll macht ein Gutachten für die Epistelorgel und gibt dabei vermutlich die Disposition der Orgel von 1773 an (11 Register im Manual, 4 im Pedal).
1892/95J. A. Otto aus Luzern baut in das Gehäuse der Epistelorgel von 1773 ein neues mechanisches Werk ein (6 Register im 1. Manual, 4 Register im 2. Manual und 2 Register im Pedal).
1897/1902Anlässlich einer grossen Renovation der Stiftskirche renoviert Orgelbauer Otto die Grosse Orgel, erweitert sie um drei Register und versieht sie mit einem neuen Gebläse.
1919/20Die Firma Goll aus Luzern baut die Epistelorgel auf das pneumatische System um, erweitert sie um drei Register und errichtet einen zweiten Spieltisch im Chorherrenchor.
1942Die Orgelbaufirma Kuhn aus Männedorf «restauriert» die Grosse Orgel unter der Leitung von Ernst Schiess, Bern.
1960Die Epistelorgel bekommt durch die Firma Graf, Oberkirch, ein neues Pfeifenwerk: Hauptwerk mit 7 Registern, Schwellwerk mit 8 Registern, Pedal mit 5 Registern. Die Traktur ist elektrisch mit einem Spieltisch an der Orgel selbst und einem zweiten im Chor.
1981/82Die Grosse Orgel von F. A. Kiene wird restauriert durch die Firma Graf, Oberkirch/Sursee. Die Fehler von 1942 werden rückgängig gemacht, einzelne Register und Teile der Mechanik rekonstruiert. Leider wurde die ursprüngliche Windversorgung nicht wiederhergestellt, die jetzige ist ein Schwachpunkt im Gesamtwerk.F. A. Kiene hat, bevor er in die Schweiz kam, zusammen mit seinem Vater Orgeln in Schwaben erbaut, so in der Kath. Kirche von Wasserburg am Bodensee (1818) und in der Kath. Kirche Unterreitnau (1847). Weitaus am meisten Orgeln hat er in der Schweiz gebaut: Tänikon TG (1837/40, rest. 1975), Knutwil (um 1840, rekonstruiert um 1990), Kerns (1830, rest. 1971), Sachseln (um 1840, rek. 1976), Sarnen (1840, neu 1982), Eich (1838/40, rek. 1979), Sempach (1837, neu 1970), Beromünster St. Stephan (1841, rek. 1986), Adligenswil (1838/39, rest. und ergänzt 1992). Schon F. A. Kiene restaurierte zu seiner Zeit historische Orgeln. Sein Sohn Johann Nepomuk führte sein Werk in diesem Sinne fort, baute aber weiterhin auch neue Orgeln in der Schweiz: Ettiswil, Altishofen, Uffikon, Rebstein u.a.
1984Die Evangelienorgel von Joh. Chr. Albrecht aus Waldshut wird restauriert und teilweise rekonstruiert von der Firma Goll (Schmidt/Grenacher) in Luzern. Die Windversorgung erfolgt wahlweise durch einen Kalkanten oder durch einen Ventilator.Vom genannten Orgelbauer sind momentan folgende Werke bekannt: Evang. Kirche Buchenberg/Baden BRD (1719, 6 Register), Solothurn (?, rest. von Fa. Kuhn, für ein Museum bestimmt). Bekannt sind auch ausgeführte Arbeiten an der Sarkophag-Orgel in der ehem. Klosterkirche Rheinau.

Texte zu den Orgeln: Urs Lütolf, Stiftsorganist

Letzte Änderung
08.10.2008