Stiftsbezirk

Der Stiftsbezirk mit der Kirche, dem angrenzenden Kreuzgang, der Galluskapelle und den über 30 Chorhöfen ist ein über Jahrhunderte gewachsenes Gesamtkunstwerk von einzigartiger kulturgeschichtlicher Bedeutung.
Seit den Anfängen im 10. Jahrhundert lebte am Stift eine Gemeinschaft von Geistlichen, die dem Weltklerus angehörten. Das ursprünglich gemeinsame, klosterähnliche Zusammenleben wurde vor bald 800 Jahren, im Jahr 1217, aufgegeben. Seither bewohnt jeder Chorherr ein eigenes Haus, und früher war es auch üblich, dass er das auf eigene Kosten baute und instand hielt.
Diese Chorhöfe bilden zusammen mit der Stiftskirche ein architektonisches Ensemble von ausserordentlichem Rang. Viele Häuser oder einzelne Bauteile gehen noch auf das späte Mittelalter zurück, als die Söhne des regionalen Ritteradels, der Herren von Rinach, Baldegg, Liebegg etc. auf den Chorherrenpfründen sassen. 1420 kam das Stift definitiv zu Luzern, und in der Folge wurden die Chorherrenstellen immer mehr von den dortigen Patrizierfamilien besetzt. Die Pfründen am damals reichen Stift waren sehr begehrt, sie waren lukrativer als jene am Leodegarstift in Luzern.
Diese wohlhabenden Herren aus dem Luzerner Patriziat prägten das Stift im 17. und 18. Jahrhundert ganz entscheidend. Das manifestierte sich auch in einer umfangreichen Bautätigkeit. Zahlreiche Chorhöfe wurden dem Geschmack der Zeit entsprechend umgebaut, andere neu errichtet. Das äussere Erscheinungsbild der heutigen Stiftshäuser stammt aus dieser Zeit. Viele besonders wohlhabende und kunstsinnige Chorherren setzten sich ein Denkmal, indem sie die Räume im Innern ihres Hauses auf kostbarste Art und mit grossem Aufwand ausstatten liessen. Etliche Stiftshäuser tragen noch heute den Namen der damaligen Bauherren.

Letzte Änderung
18.11.2011