Schlössliwald, Stiftswälder

Die Waldkathedrale von Beromünster wird erneuert

Sanierung des Schlössliwalds in mehreren Etappen

Die historische Substanz der bedeutenden Waldkathedrale im Schlössliwald bei Beromünster ist gefährdet. Ohne Gegenmassnahmen zerfällt die Struktur der Anlage weiter. In den kommenden Jahren wird der Schlössliwald in Etappen erneuert. Für die erste Etappe wird mit Kosten von 290’000 Franken gerechnet.

Im Schlössliwald bei Beromünster befindet sich eine dreischiffige Waldkathedrale, die Ende des 18. Jahrhunderts als «Spaziergang» für die Chorherren des Stifts Beromünster angelegt worden ist. Die Anlage, 140 Meter lang und 16 Meter breit, ist eines der bedeutendsten Denkmäler der Gartenkunst im Kanton Luzern und weit darüber hinaus. Ohne Gegenmassnahmen zerfällt die Struktur der Anlage in den nächsten 20 Jahren. Von den einst 98 Rosskastanien sind noch 28 vorhanden.

Sanierung in Etappen

Angestrebt wird nun eine etappenweise Instandstellung. Die Sanierung umfasst folgende Punkte und Prioritäten: Ersatzpflanzungen mit Rosskastanien; Baumpflege; Sichtachsen zum Stift St. Michael, Flecken und Alpen freilegen; Gestaltung der Eingangsbereiche und der Ruhebänke. «Ziel ist die Erhaltung, Neugestaltung und kulturelle Nutzung der in der Schweiz einmaligen Waldkathedrale für die breite Bevölkerung», sagt Projektleiter Robert Suter. Die Kosten für die erste Etappe sind mit 290'000 Franken veranschlagt. Die Finanzierung der ersten Etappe ist gesichert dank der grosszügigen Unterstützung der Albert Koechlin Stiftung (AKS) sowie Beiträgen von Bund und Kanton.

1792 als «Spaziergang» angelegt

Die Anlage hat einen erheblichen künstlerischen, historischen, heimatkundlichen und wissenschaftlichen Wert. 1790, ein Jahr nach der Französischen Revolution, wurde von den Chorherren des Stifts und von Propst Niklaus Krus ein «Spaziergang» in freier Natur in Auftrag gegeben, zur «recreation» der Stiftsherren, die aus den patrizischen Familien Luzerns stammten. 1792 wurde die Anlage, die stark von der französischen Gartenkultur inspiriert war, von Stiftsbaumeister Josef Purtschert angelegt. Zehn Wochen lang waren dafür Bäume gefällt und verarbeitet, Steine und Erde abgetragen sowie grössere Steine sogar gesprengt worden, bis die bestehende Kuppe planiert und störende Bäume gefällt waren.

Ein Gärtner aus Basel lieferte 94 wilde Kastanienbäume und 3500 Hagebuchenpflanzen. Entstanden waren zwei parallele, von Buchenhecken begleitete Kastanien-Alleen, weiter ein ebener Gartenraum, ein riesiger Saal im Freien mit zwei kleinen Plätzen am Anfang und am Ende und je einem hufeisenförmigen Platz als Aussichtsterrasse in der Mitte. «Es muss ein herrliches Gefühl gewesen sein, diese Parkanlage und diese Spazierwege zu begehen», so Georg Carlen, Denkmalpfleger des Kantons Luzern.

Einzigartiges Garten- oder Parkdenkmal

Wann der Begriff «Waldkathedrale» aufgekommen ist, ist nicht bekannt. Bis in die 1830er-Jahre wurde die Anlage als Allee gepflegt und die Pflanzungen zurückgeschnitten. Weil das Geld für den Unterhalt fehlte, wuchsen die Bäume mit der Zeit in die Höhe und die Rasenfläche in der Mitte und die Kieswege des Spazierwegs zu einem einheitlichen Waldboden zusammen. Die Baumkronen bilden heute ein Dach, das sich über ein breites Mittelschiff und zwei schmale Seitenschiffe wölbt. Die Natur hat den «Spazierweg» zu einem Gebilde von grossartigem und sakralem Charakter umgeformt.

«Aus denkmalpflegerischer Sicht ist der Schlössliwald ein einzigartiges Garten- oder Parkdenkmal, dies über den Kanton Luzern hinaus», sagt Georg Carlen, kantonaler Denkmalpfleger. Im Jahr 2008 wurde der Schlössliwald unter kantonalen Denkmalschutz gestellt. Die Anlage präsentiert sich heute mit den zu hohen Hallen gewachsenen Bäumen als beinahe sakraler Raum mit magischem Zauber.

 

Zum Stift gehören zudem ausgedehnte Wälder im Michelsamt. Die Waldbewirtschaftung folgt dem Grundsatz des naturnahen Waldbaus. Wo immer möglich soll der künftige Waldbestand mit Naturverjüngung entstehen. Wo dies jedoch nicht möglich ist, soll sich die Wiederbewaldung an der pflanzensoziologischen Karte orientieren.

Wir bewirtschaften unsere Wälder gemäss den Richtlinien des FSC Standards SGS FM / COC-1633.

Letzte Änderung
15.04.2011